Meto – Das Haus


Die Jungen leben in dem Haus auf der Insel wie in einem Gefängnis. Ihr Alltag ist streng reglementiert, ihre Vergangenheit und Zukunft  sind völlig ungewiss: Keiner der Jungen kann sich erinnern, wie sein Leben aussah, bevor er ins Haus kam, keiner weiß, was ihn erwartet, wenn er älter wird.

„Vor ein paar Monaten kursierte nach der Sportstunde ein Gerücht. Da sei etwas, auf der Toilette. Ein mit Kreide geschriebener Satz hinter einer Tür. Ich konnte ihn zum Glück noch lesen, bevor er weggewischt wurde. Ich will wissen, woher ich komme und was später aus mir wird. Bitte.“

 Die Jungen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren leben völlig abgeschnitten von der Umwelt, sie dürfen das Haus nicht verlassen. Alle Lebensbereiche, ob Unterricht, Sport oder die Mahlzeiten, werden von den so genannten „Cäsaren“ kontrolliert. Wenn nachts das Bett eines Jungen auseinander bricht, weil sein Körper für die kleine Schlafstelle zu groß geworden ist, ist er am nächsten Morgen verschwunden. Keiner der anderen Jungen wird ihn je wieder sehen.Meto ist einer der Großen, er ist schon lange im Haus, und er beginnt Fragen zu stellen. Wohin haben sie Quintus gebracht, nachdem sein Bett in der Nacht zerbrach? Als Meto eine dreitägige Strafe im Kühlraum verbüßt, kostet ihn das fast das Leben. Aber er trifft dort einen geheimnisvollen Jungen und mit seiner Hilfe findet er schlimme Dinge heraus.

 Ives Grevet schildert die beklemmenden Vorkommnisse seiner düsteren Utopie in einem kühlen, knappen Ton. Der mit der Trilogie um Meto bekannt gewordene französische Autor skizziert die Ängste und Bedenken der Jungen nur kurz, lieber folgt er den Handlungen seines Ich-Erzählers. Die Sherlock-Holmes-Methode: Gespannt folgt der Leser der systematischen Analyse Metos und der Offenbarung von immer unglaublicheren Details. Immer deutlicher zeigt sich, wie konstruiert und begrenzt diese künstliche Welt ist, wie sehr Meto und die anderen Kinder manipuliert werden.

 Ein Coming-of-age-Roman:  Das Ende der Kindheit bedeutet in diesem Fall Neugier, aufkommende Zweifel, den Wunsch, das Leben in die eigene Hand zu nehmen und auch: Kampfbereitschaft. Zugleich geht es um die allgemeine Frage, wie sich Menschen in totalitären Systemen verhalten, wie und ob sie Mut zum Widerstand entwickeln. Aber wie gehen die Kinder mit der Macht um, die sie dann ergreifen? Werden sie es schaffen, ohne die Erwachsenen eine demokratischere Selbstorganisation zu entwickeln? Die Geschichte gleicht einer logischen Versuchsanordnung, die Konstruktion ist wichtiger als das Ausschmücken grausamer Details. Jüngere Leser werden so davor bewahrt, ihre Vorstellungskraft mit allzu anschaulichen Bildern und Situationen zu belasten. Der Ausgang des Experiments ist allerdings erst im der zweiten und dritten Band der französischen Erfolgstrilogie zu erfahren. Spannende, intelligente Fantasy – das schmale Bändchen ist leider viel zu schnell ausgelesen!

Ives Grevet, METO – Das Haus, 1. Band einer Trilogie (Die Insel, Die Welt), Verlag dtv Junior,  € 14,95, ab 12 Jahren

Trailer zum Buch unter http://www.dtv-dasjungebuch.de/autoren/yves_grevet_14138.html

Regine Bruckmann

 

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