Mucksmenschenstill


 

Als das Mädchen K eines Morgens aufwacht, ist alles anders als sonst.  Ihre ganze Familie schläft und ist einfach durch nichts aufzuwecken.  K hört und schaut sich um.  Niemand ist auf der Straße, kein Auto fährt, Radio und Fernsehen bleiben stumm.  K ist verzweifelt.   Was ist, wenn die Menschen nie mehr aufwachen, wenn sie hundert Jahre schlafen wie Dornröschen oder vielleicht ganz tot sind?

„Vor dem Supermarkt schloss K ganz fest die Augen und schlug die Glastür ein. Als sie durch das Loch stieg, schnitt sie sich ins Bein. Es tat nicht weh, doch mit jedem Schritt tropfte ihr Blut auf die Fliesen. Die rote Tropfenspur führte zuerst zum Kühlregal, dann zu den Süßigkeiten und zuletzt zu Kasse 1. K legte einen Geldschein auf das Band. „Stimmt so“, sagte sie zur Kasse. Eine Kassiererin war ja nicht da.“

K ist acht Jahre alt, in 18 Tagen wird sie neun. Als sie am Morgen aufwacht, beschleicht sie ein seltsames Gefühl. Es ist ganz still im Haus, sie ist die Einzige, die wach ist. Ihre Eltern und ihre Brüder, die sonst immer jede Menge Krach machen, schlafen tief und fest. K schafft es nicht, sie wachzurütteln. Vielleicht, so denkt sie, hat ihre Familie eine Krankheit befallen. Nachdem sie erfolglos versucht hat bei  ihrer Oma anzurufen, probiert sie es bei Doktor Eisenhut. Aber auch beim Doktor geht niemand ans Telefon.  Nur die Tiere schlafen nicht, die Vögel zwitschern, die Fliegen summen, der Kater H legt ihr eine tote Maus vor die Tür, ein Hund bellt  und das Kaninchen Max hoppelt umher.  Ansonsten ist es „mucksmenschenstill“.

Diese Situation bedeutet für K eine große Herausforderung. Erst findet sie das Alleinsein toll, sie kann alle DVDs gucken, die sie will, sie kann ohne Helm Fahrrad fahren und die Erdbeeren aus dem Garten der Nachbarin naschen. Dann aber fängt sie an, sich allein zu fühlen. Nichts funktioniert mehr so wie früher. Sie muss sich zum Beispiel selbst Essen besorgen, um nicht zu verhungern. Als sie im Supermarkt keine Eier und Milch mehr klauen kann, beschließt sie, mit dem Fahrrad aufs Land zu fahren und bei den Bauern nachzusehen. Doch dann entdeckt sie, dass Kaninchen Max Babys bekommen hat. Da kann sie doch nicht wegfahren, stattdessen kümmert sie sich um die Kaninchenfamilie. Inzwischen rückt ihr Geburtstag immer näher. Weil ihre Eltern immer noch schlafen, beschließt K, ihre Geburtstagsfeier selbst vorzubereiten. Sie legt sich am Vorabend ihres Geburtstages ins Bett und hofft darauf, am nächsten Tag von ihren Eltern mit einem Geburtstagslied geweckt zu werden.

Almut Baumgarten will mit ihrer Geschichte zeigen, wie es wäre, wenn ein Kind ganz allein auf der Welt wäre. Das hat Vorteile, man kann vieles tun, was man sonst nicht darf. Dann stellt man aber fest, dass viele Dinge nicht mehr funktionieren, wenn alle schlafen. Kein Fernsehprogramm, keine Müllabfuhr und woher soll man Vorräte bekommen? Das Mädchen wird immer trauriger, sie will am liebsten auch irgendwann einschlafen und nicht mehr aufwachen, wie all die anderen. Durch das Kaninchen Max und seine Babys begreift sie, dass sie nicht davon laufen kann. Sie muss Verantwortung übernehmen, sie liest  Haustier-Ratgeber und lernt Suppe zu kochen.

Das Ende finde ich irgendwie komisch, da es offen lässt, was passieren wird. Man weiß nicht, ob K an ihrem Geburtstag ein Geburtstagsständchen von ihrer Familie bekommt oder nicht. Ich glaube aber, dass es so sein wird und alle wieder wach sind. Ich mag nämlich nur gute Enden in Büchern.

Almut Baumgarten, Mucksmenschenstill, Verlag mixtvision 2012, € 12,90, ab 8 Jahren

Paulina, 10 Jahre

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