Der unvergessene Mantel


Der_unvergessene_MantelJulie geht noch einmal zu ihrer alten Schule, die abgerissen werden soll und entdeckt dort an einem Haken einen Mantel. In seinen Taschen stecken Bilder, die bei ihr die Erinnerung an zwei Jungen wecken – Nergui und Dschingis aus der Mongolei…

Die beiden Brüder kommen aus der Mongolei an eine Schule in England. Sie lassen sich nur schwer trennen, doch sie müssen in unterschiedliche Klassen. Aber auch sonst sind sie so ganz anders als ihre englischen Mitschüler. Sie tragen dicke Fellmäntel, auch wenn es warm ist. Nergui hat seine Mütze tief im Gesicht, damit er sich ruhig verhält, erklärt der ältere Dschingis, denn so beruhigt man in der Mongolei Adler.

„Ist doch klar“, sagte er. „Man bedeckt die Augen des Adlers mit einer Haube. Wenn man möchte, dass er losfliegt und tötet, nimmt man die Haube ab. Mein Bruder ist mein Adler. Wenn er seine Haube aufhat, bleibt er schön ruhig. Ohne seine Haube kann ich nicht wissen, wie er sich verhält.“ Sechste Klasse. Sechs Jahre lang hatte ich geglaubt, wahrscheinlich alles gelernt zu haben, was ich jemals würde lernen müssen. (…) Aber in meiner gesamten Schulzeit hatte ich noch keine einzige Stunde zum Thema Adlerberuhigung gehabt.

Nergui wird von einem Dämon verfolgt und sie nehmen immer einen anderen Weg nach Hause. Dschingis ernennt Julie zu ihrem „guten Ratgeber“, an den sie sich wenden können, wenn ihnen etwas fremd ist.

„Du wirst unser Guter Ratgeber“, erklärte er. „In der Mongolei sind wir Nomaden. Wenn wir in ein fremdes Land kommen, brauchen wir jemanden, der uns gute Ratschläge gibt. Du wirst unser guter Ratgeber sein, einverstanden?“ Klar war ich einverstanden. Nie zuvor hatte mich jemand gebeten, irgendwas zu sein, auf jeden Fall nichts, wofür es eine offizielle Bezeichnung gab. Und von diesem Moment an hörte ich auf, über Schminkkram, Lippen oder Shocky nachzudenken, und lief stattdessen mit dem Gedanken durch die Gegend: Seht her, ich bin ein guter Ratgeber! Ich war entschlossen, ein wirklich guter Ratgeber zu sein.

Julie ist sehr beeindruckt und ab dem Moment hört sie auf, sich für Schminke und Jungs zu interessieren, sondern will alles über die Mongolei erfahren. Sie lässt sich Bilder aus der Mongolei zeigen mit Riesenblumen und der mongolischen Steppe.

Eines Tages steht Julie bei den beiden vor der Wohnungstür und erkennt, dass dort keine angenehme Stimmung ist, sondern ein Gefühl der Angst herrscht. Die Familie sitzt auf gepackten Koffern wie auf einer Flucht. Eines Tages erscheinen die Jungen nicht mehr in der Schule und die Lehrerin erklärt, dass die beiden Jungen nicht in Großbritannien leben dürfen und wieder nach Hause geschickt worden sind.

Das Buch erklärt sehr eindrücklich, wie schwierig es ist, in einem fremden Land Fuß zu fassen und die ständige Angst zu spüren, nicht bleiben zu dürfen. Auch wenn das Cover befremdlich wirkt und nicht unbedingt Kinder anspricht, der Text tut es mit Sicherheit. Er „regt ganz unaufgeregt“ zum Nachdenken an und das mit einem Thema, mit dem sich  Kinder nicht unbedingt freiwillig auseinandersetzen würden.

Frank Cottrell Boyce, Der unvergessene Mantel, Carlsen Verlag 2012, € 11,90, ab 10 Jahren

Gaby Klusmann und Setenay (5.Klasse)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s