Franziska versteckt sich


Vorschau_F 2013_24.11.2012.inddManchmal darf Franziska ihre Freundin Almut besuchen. Zusammen spielen sie mit den beiden Babys, die auch von Almuts Tagesmutter betreut werden. Doch dann passiert aus Versehen ein Missgeschick und Franziska möchte nur noch davon laufen und sich verstecken.

„Jetzt müssen die Kleinen wohl Mittagsschlaf halten. Vielleicht will Puma so lange ein bisschen mit Franziska und Almut malen? ‚Jetzt nicht, Mädels‘, sagt Puma. ‚Vielleicht später. Und geht ja nicht zu den Kleinen ins Zimmer.‘ Franziska sieht Puma gern beim Lesen zu. Aber Almut will sich lieber was ausdenken. Almut denkt sich aus, dass sie und Franziska trotzdem zu den Kleinen ins Zimmer gehen.“

Den beiden größeren Mädchen macht es Spaß, mit den Kleinen „Grillwurst“ zu spielen. Das Spiel hat sich Almut ausgedacht: Sie rollen die Kleinen in eine Decke und dann auf dem Boden hin- und her. Almut malt den Babys auch auf den Kopf, so wie die Tagesmutter Puma ihnen manchmal kleine Tiere auf den Arm malt. Das sieht dann aus wie eine Tätowierung. Als Franziska ein Baby aus Versehen aus dem Arm rutscht, dämmert ihr, dass es vielleicht doch keine gute Idee war, die Kleinen aus dem Gitterbett zu holen, wo sie eigentlich ihren Mittagsschlaf halten sollten…

Almut hat Langeweile, weil die Tagesmutter Puma sich immer nur um die Babys kümmert. Sie ist ja schon groß, sie soll vernünftig sein und die Kleinen nicht stören. Aber statt brav etwas ‚Schönes’ zu spielen, so wie es den Erwachsenen recht wäre, beruft sie sich auf ihr ‚Großsein’ und demonstriert es gegenüber den kleineren Kindern. Wenn die Erwachsenen nicht mit ihr spielen, dann spielt sie eben mit den Babys! Franziska macht mit, auch wenn ihr manches Mal unbehaglich zumute ist. Aber vielleicht gefällt es den Kleinen ja sogar? Erst als ein Baby auf den Boden fällt und anfängt zu schreien, wird Franziska klar, dass sie etwas falsch gemacht hat. Und Puma, die Tagesmutter, hat nicht aufgepasst und reagiert zu spät auf die Grenzüberschreitung der Kinder.

Die Geschichte, die das Bilderbuch der in Schweden Preis gekrönte Autorin Pija Lindenbaum erzählt, beschreibt nur ein paar Stunden im Leben von Franziska und enthält doch eine ganze Welt. Die Welt einer Fünfjährigen, ausgefüllt damit, zu spielen, sich und andere kennen zu lernen, Ideen zu haben, Sachen auszuprobieren, sich zu langweilen, sich in einem Moment groß und stark und im nächsten klein und dumm zu fühlen.

Lindenbaum schreibt und malt konsequent aus Kinderperspektive. Die bunten Bilder zeigen die Situation immer aus Franziskas Sicht. Mit einfachen Worten schildert Lindenbaum die Ereignisse, so wie Franziska sie wahrnimmt, und flicht geschickt die Zweifel und Gefühle des Kindes ein. Almut schließlich baut sich ihre Kinderwelt im ‚Spiele-Konjunktiv’: “Ihr wärt im Gefängnis“, flüstert sie. „Und jetzt würdet ihr schreien, weil ihr das nicht wollt.“ Ein warmes, Anteil nehmendes Buch voll kleiner Erlebnisse und großer Gefühle, das Kindern Mut macht, mit ihren Fehlern zu leben und daran zu wachsen.

Pija Lindenbaum: Franziska versteckt sich, Moritz Verlag 2013, 13,95 €, ab 5 Jahren

Regine Bruckmann

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