Rosie und Moussa


Rosie und MoussaRosie zieht mit ihrer Mutter in ein Hochhaus ans andere Ende der Stadt. Ob sie hier je Freunde finden wird? Doch schon bald trifft sie den Jungen Moussa und gemeinsam unternehmen sie einen Ausflug auf das Dach des Hauses. Doch das ist nicht ungefährlich…

„Moussa strahlt geradezu, als er wenige Tage später bei Rosie klingelt. Er platzt beinahe vor Stolz. „Sollen wir…?“ flüstert er geheimnisvoll. Rosie lässt die Tür vorsichtig hinter sich ins Schloss fallen. Mama darf nicht wissen, was sie vorhaben. „Du weißt doch, dass du das hier keinem erzählen darfst?“, sagt Moussa. Er hat Rosie noch nie so ernst angeschaut. „Natürlich nicht“, sagt Rosie.

Der Hausmeister Herr Tak hat es „strrrengstens“ verboten, auf’s Dach zu gehen. Auf Moussa und seine Brüder ist er sowieso nicht gut zu sprechen. Er möchte ein „anständiges“ Haus haben und immer schimpft er über den Lärm, den sie machen.   Trotzdem zeigt Moussa Rosie, wie man auf das Dach kommt. Von dort oben kann man über die ganze Stadt schauen, bis zum Bahnhof und bei guter Sicht sogar bis zum Meer. Rosie und Moussa fühlen sich großartig und Moussa erzählt Rosie von seinem Traum, ein Lokführer zu werden. Doch dann passiert etwas ziemlich Blödes: Der strenge Hausmeister Tak hat die Kinder bis auf das Dach verfolgt. Sie verstecken sich und der Hausmeister schließt beim Runtergehen die Tür zum Treppenhaus fest ab, zwei Mal. Rosie und Moussa sind gefangen…

Illustratorin Judith Vanistendael entwirft mit lockerem, comicartigen Strich die überschaubare Welt rund um das Hochhaus und seine Bewohner: Da ist Hausmeister Tak, der Fischhändler Mohammed und die alte Frau Himmelreich. Es ist eine beschränkte Welt, in der Migranten, allein erziehende Mütter, Kinder und alte Menschen zusammen kommen. Sie alle haben es nicht einfach, Rosie und Moussa aber gelingt es, zu träumen: „Die Stadt ist so schön von oben,“ sagt Moussa.

Autor Michael De Cock ist Journalist und Theaterregisseur im belgischen Mechelen. Seine Theatererfahrung ist in die Geschichte eingeflossen: Man spürt seinen guten Blick für Situationen, in denen man den Protagonisten, die respekt- und liebevoll gezeichnet werden, ganz nah kommt. Über die Kinder entsteht eine Art provisorische Gemeinschaft aus verschiedenen Hausbewohnern und dieses kurze Zusammenkommen ist schon eine wohltuende, aufmunternde kleine Utopie.  Sogar im strengen Hausmeister, so erfährt man, schlummern unvermutete Freiheitsfantasien…

De Cock hat eine ganz einfache Freundschaftsgeschichte geschrieben, in der es kein Wort zuviel und keines zu wenig gibt. Sie handelt vom Leben, seinen Schwierigkeiten und wie man es schafft, den Blick ins Weite zu richten.

Michael De Cock, Judith Vanistendael, Rosie und Moussa, Beltz & Gelberg 2013, € 9,95, ab 8 Jahren

Regine Bruckmann

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