„Der Schlüsselträger und die grauen Könige“ von Marco Kunst


Schlüsselträger_coverTimeo lebt mit seinem Vater im Wald. Dort findet er eines Tages einen leblosen Mann, der anscheinend immer mehr versteinert…Der Gräuel ist wieder erwacht! Die Pflanze vergiftet und versteinert jeden, der sie berührt. Muss wieder ein König im Land Myr, wie die alte Sage erzählt, seine Seele opfern, um dem Gräuel Einhalt zu gebieten?

„Nachdem Timeo alles berichtet hatte, blickte sein Vater noch einige Sekunden schweigend vor sich hin. „Genau“, sagte er dann. „Es ist so weit. Der Gräuel ist erwacht…“ Er holte tief Luft und stand auf. „Ich muss zum König, Junge. Jetzt sofort! Mit dem Schlüssel. Bring mir Seife und ein Handtuch. Leg saubere Kleidung bereit, sonst lassen sie mich nicht ins Schloss. Beeil dich! Wir müssen sofort los.“

Timeos Vater ist der Träger des geheimnisvollen Schlüssels, mit dem eine Pforte geöffnet werden kann. Dadurch kann hoffentlich dem Gräuel Einhalt geboten werden. Timeo und sein Vater machen sich sofort auf den Weg, gemeinsam mit dem Mädchen Manou, deren Vater auch ein Opfer des Gräuels geworden ist und grau und hart wie Stein leblos unter der alten Eiche liegt. Auf ihrem Weg in die Stadt kommen sie an vielen versteinerten Menschen vorbei, immer mehr breitet sich die Pflanze aus. Schließlich erwischt sie auch Timeos Vater und Manou, auch sie versteinern augenblicklich. Nun muss sich Timeo allein durchschlagen, aber als er endlich das Schloss erreicht, stellt er fest, dass sein Vater und selbst der König nicht die ganze Wahrheit kennen. Alle Fäden laufen bei dem Obersten Sachverwalter Meister Malin zusammen. Er hat ein feines Netz an Lügen und Intrigen gesponnen, mit dem Ziel, möglichst lange am Leben zu bleiben und die Bevölkerung von Myr und seine Könige in Angst und Schrecken zu versetzen.

Es ist eine Geschichte von Macht des Wissens und der Leichtgläubigkeit und Ohnmacht der Unwissenden. Timeo und das Mädchen Manou versuchen herauszufinden, ob die alten Geschichten stimmen und riskieren dabei ihr Leben. Sie trauen sich, sich dem König und sogar dem Obersten Sachverwalter zu widersetzen und ihren klaren Menschenverstand einzusetzen, um zum Wohle der anderen alles aufzuklären.

Der Niederländer Marco Kunst verbindet also eine spannend konstruierte Fantasy-Geschichte mit einer emanzipatorischen Haltung: ‚Misstraue den Mächtigen. Lass dir nicht den Mund verbieten!’. Dazu passt gut, dass mit Timeo und Manou ein Junge und ein Mädchen gleichermaßen mutig und aktiv sind. Sie verbinden sich mit der Vergangenheit, der Geschichte ihrer Eltern und ihres Landes und gestalten doch ihre Zukunft selbst. Und noch eine Lehre findet sich nebenbei: Die Schönheit der menschlichen Seele liegt in ihrer Sterblichkeit. Die ‚grauen Könige’ haben ein langes Leben um den Preis ihrer Seele erhalten, aber dadurch wurden sie hart, grau und gefühllos. Intelligenter Schmöker, klug, genau und anschaulich formuliert, ohne falsches Pathos in der Sprache.

Marco Kunst, Der Schlüsselträger und die grauen Könige, Gerstenberg 2013, ab 11, 14,95 €

Regine Bruckmann

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