„Wörter auf Papier“ von Vince Vawter


Wörter_auf_PapierVictor geht in die sechste Klasse und ist der beste Werfer von ganz Memphis. Aber was die meisten Leute zuerst bei ihm sehen, oder vielmehr hören: Er stottert. In diesem Sommer wird Victor auf eine harte Probe gestellt. Sein bester Freund Art, den er Rat nennt, da er das leichter aussprechen kann, verreist.
Also muss Victors an Rats Stelle Zeitungen austragen…

„Bei der Vorstellung, zur Haustür zu gehen und zu klingeln, schwoll mir alles im Leib an. Mit Leuten zu reden, die mich nicht kennen, ist für mich so schrecklich, weil ich auf den ersten Blick aussehe wie jeder andere Junge. Zwei Augen, zwei Arme, zwei Beine. Kurz geschnittene Haare. Nichts Besonderes. Aber wenn ich den Mund aufmache, werde ich zu etwas anderem. Die meisten Leute geben sich gar nicht die Mühe, herauszufinden, was mit mir los ist, und denken, ich bin wohl nicht ganz richtig im Kopf. Sie versuchen, mich so schnell wie möglich wieder loszuwerden.“

Doch was sich Victor als reinen Horrortrip vorgestellt hat, wird zu einem interessanten Abenteuer: Er lernt Mrs. Washington kennen, die sich immer betrinkt und ein Problem mit ihrem Mann hat. Er wundert sich über den Jungen, der nur vor dem Fernseher sitzt und nicht darauf reagiert, wenn man ihn anspricht. Und er philosophiert mit Mr. Spiro über den Sinn des Lebens und entdeckt dabei seine Stärke zu schreiben. Mr. Spiro gibt ihm außerdem immer zusätzlich zu der üblichen Bezahlung das Viertel eines Dollarscheins, auf dem jeweils ein Wort steht, dass Victor definiert.

Aber nicht nur die Zeitungstour stellt Victors Welt auf den Kopf, denn der fiese Müllsammler Ara T klaut sein Messer mit dem gelben Griff, statt es nur zu schärfen, und Victor macht in dem Wandschrank seiner Eltern eine verhängnisvolle Entdeckung.

Zunächst realisiert man als Leser nicht, in welcher Zeit dieses Buch spielt, doch als Victor beschreibt, wie die Haushälterin Nellie, die er Mam nennt, mit einem blauen Auge nach Hause kommt, wie er extra für sie im Zoo bezahlen muss, damit sie sich mit ihm fotografieren lassen kann und nie vorne im Bus sitzen darf, spielt die Rassentrennung eine immer größere Rolle. 
Die Geschichte spielt 1959 in der Stadt Memphis im Süden der USA.

Durch dieses Buch entwickelt man ein tiefes Verständnis für stotternde Menschen. Victor schreibt seine Geschichte so, wie er spricht, er wendet bei der wörtlichen Rede genau wie in der Realität die „sanfte Luft“ an. So steht dann da: sssssss-Na-sssssss-k-ssss-klar. Er setzt einen in Kenntnis darüber, welche Wörter oder Laute für ihn am schwersten sind. 
Allerdings ist es auch sehr spannend, die Rassentrennung aus der Sicht eines Kindes zu erleben, dessen beste Freundin eine dunkelhäutige Haushälterin ist. Fazit: Ein Abenteuer, dass sich Jugendliche ab 13 Jahren nicht entgehen lassen sollten!

Der Autor Vince Vawter hat selbst sein Leben lang mit dem Handicap des Stottern gerungen. In dem Buch hat er viele eigene Erlebnisse verarbeitet. Er war 40 Jahre lang Journalist und lebt heute mit seiner Frau auf einer kleinen Farm in Tennessee. Wer mehr über ihn und sein Buch „Paperboy“ erfahren möchte, kann seine Homepage besuchen: vincevawter.com

Antonia, 9. Klasse, Kursschülerin am Schadow-Gymnasium in Berlin-Zehlendorf

Vince Vawter, Wörter auf Papier (Originaltitel „Paperboy“), Königskinder 2014, 16,90 Euro, ab 12 Jahren

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