„Die Mitte von allem“ von Anna Shinoda


Mitte_von_allemFür Clare ist Luke alles – ein verständnisvoller großer Bruder, ein Beschützer und ein Held! Mit Luke hat Clare schwimmen gelernt. Aber wie gut kennt sie ihn wirklich? Seit ihrer Kindheit sitzt er immer wieder im Gefängnis. Was hat er alles getan, von dem Clare nichts weiß?

„Hey, Piepmatz, Lust auf einen Spaziergang?“ Ich blicke Mom fragend an. Sie strahlt. „In Ordnung, wenn ihr bis zum Abendessen wieder zurück seid“. Ich wünschte, ich könnte sie so glücklich machen und ihr dieses breite Lächeln und die funkelnden Augen ins Gesicht zaubern – einfach nur durch meine Anwesenheit.“

„Er war zur falschen Zeit am falschen Ort“ – so die Antwort der Mutter als Clare sie nach dem Aufenthaltsort von Luke befragt. So hört sich diese Antwort für ein Mädchen und das Umfeld um einiges besser an, als „Diebstahl, Drogen und Gewalt“. Clare freut sich sehr, als Luke vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wird, doch es geht nicht lange gut. Luke benutzt Clare für seine krumme Geschäfte, er wird wieder verhaftet, Clare verdächtigt. Spätestens jetzt lässt sie sich nicht länger mit Antworten beruhigen, die nur dazu dienen, den Schein zu wahren und die Tatsachen zu beschönigen. Clare wünscht sich so sehr, dass sie ihren Erinnerungen glauben kann, dass Luke sich ändern wird, dass die Gegenwart mit ihren Erinnerungen übereinstimmen würden. Sie kämpft mit sich, sie kämpft um ihre Familie, um Wertschätzung, Akzeptanz ­– um ihre Liebe.

Die Eltern halten sie auf Distanz, vorrangig die Mutter kann mit Clare und Peter, dem mittleren Sohn, nicht versöhnlich sein. Stets liegt der stille Vorwurf von kriminellem Handeln in der Luft. In der Familie rückt Luke in die Mitte von allem. Alles konzentriert sich auf ihn – die Eltern, die feindseligen Blicke der Nachbarn, die schwesterliche Liebe von Clare.

Clare erzählt ihre Familiengeschichte in der Ich-Perspektive, dadurch entsteht eine große Nähe. Die Charaktere sind sehr detailreich, dreidimensional erfasst – berühren den Leser, ziehen in den Bann. “Die Mitte von allem” habe ich in die Hand genommen, weil mich das Cover ansprach, der Titel Assoziationen und Bilder aufrief und mich tatsächlich sehr neugierig machte. Geschichte, Sprache und Tiefe des Buches haben mich sehr beeindruckt und absolut gefesselt. Unbedingt Lesen!

Wiebke Schleser, Inhaberin der Buchhandlung „Buchsegler in Berlin Pankow

Anna Shinoda, Die Mitte von allem, Magellan 20. Januar 2015, Originaltitel “Learning Not To Drown”, € 17,95, ab 15 Jahren

Anna Shinoda wuchs in einem Bergdorf auf, in dem es nicht einmal eine Ampel gab. Also blieb ihr kaum etwas anderes übrig, als sich in die Baumkronen zu flüchten, um dort zu lesen und sich Geschichten auszudenken. Als sie wieder herunterkletterte, brachte sie ihren Debütroman mit: “Die Mitte von allem”.

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