Neu im Frühling- Buchtipps für Kinder und Jugendliche


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Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging von Sabine Ludwig

Ferienzeit, Frühlingszeit – Lust zu lesen? Lust zu reisen? Kinder- und Jugendbuchhelden brechen auf: Sie fliegen z.B. mit dem gasgefüllten Luftballon in die Fremde jenseits des Flusses, und sie stürzen sich mit Mut und Todesverachtung in die kalten Fluten des Atlantik. Oder sie entführen 12 Milchkühe im englischen Wales…

Konrad ist ein junger Kater, der von seiner Mutter nur ‚Konrädchen’ genannt und von den großen Katern in der Schule immer geärgert wird. In der Geschichte „Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging“ erzählt Sabine Ludwig davon, wie es kommt, dass er endlich den Mut findet, seiner Mutter zu widersprechen und wie er lernt, seinen Peinigern zu imponieren.

Und so fängt alles an. Die Mutter belegt sein Pausenbrot wie immer mit einer dicken Maus. Aber als er auf dem Schulhof mit großem Appetit hineinbeißen will, hört er plötzlich eine Stimme. Zuerst denkt er, es sei vielleicht ein Vogel, der über ihm auf dem Baum sitzt, aber nein, sein Pausenbrot spricht mit ihm:

„’Ich hab keine Federn, sondern samtweiches Fell, und es wäre ausgesprochen liebenswert, wenn du darauf verzichten könntest, mich zu fressen.’ Du meine Güte, wer quasselt denn da? Konrad klappt das Brot auf. Da liegt dick und rund die Maus, die Katinka nicht haben wollte. Die Maus blinzelt. Dann hebt sie den Kopf und schaut Konrad aus kleinen dunklen Äuglein prüfend an. ‚Du frisst mich nicht, nicht wahr?’“

 Natürlich frisst er sie nicht. Und was er auch unternimmt, die Maus wird er nun nicht mehr los. Sie ist hüsch und dick und selbstbewusst und beschließt, sich selbst Marie Antoinette zu nennen, nach der berühmten französischen Königin. Eines Tages spielen ihm die großen Kater Kurt und Kaspar einen Streich: Sie binden die Brotbox an Luftballons und lassen Marie Antoinette in den Himmel steigen.

 „Plötzlich dreht sich der Wind, und die Ballons samt der Brotbox mit Marie Antoinette darin vollführen eine scharfe Linkskurve.  ’Zum Fluss!’ murmelt Konrad entsetzt. ‚Sie nimmt Richtung auf den Fluss!’ Konrad weiß, dass er auf gar keinen Fall hinunter zum Fluss laufen darf. Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch strengstens verboten. Da tauchen auch schon die ersten Warnschilder auf: ‚Achtung Sperrgebiet! Weitergehen bei Strafe verboten! Grenzbereich! Gefahrenzone’.“

Konrad und Marie Antoinette begegnen den gefährlichen Hunden und den faulen Bibern, und Konrad lernt, dass man den Lehrern in der Schule nicht alles glauben darf. „Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging“ ist eine niedliche und nachdenklich machende Geschichte für Kinder ab 8 Jahren. Die Angst vor den Hunden auf der anderen Seite des Flusses steht für die Angst vor den Fremden und ihrer Kultur – wie nebenbei erzählt Sabine Ludwig, dass es gar nicht so schwer ist, diese Vorurteile zu überwinden. Dass sie die Mütter in ihrer Geschichte leider nur klischeehaft als Helikopter- oder Rabenmutter zeichnet, sei ihr dabei verziehen.

Der Held des nächsten Buches heißt auch Konrad – entweder ein Zufall oder eine neue Mode.

9783407820983

Konrad ist 13 Jahre alt, ein hoch geschossener Kerl, der nicht weiß, wohin mit seinen langen Armen und Beinen, und er verbringt einen zuerst schrecklichen Sommerurlaub mit seiner Familie an der französischen Atlantikküste –  ein wahrhaft „Finsterer Sommer“, so der Titel des Buches.

„Im Augenblick war der Bunker unsichtbar, denn das Meer bedeckte ihn völlig. Ich saß auf der Düne, dort, wo man eigentlich nicht sitzen durfte, und blickte in die Ferne. (…) Lisbeth und ich hatten wieder gestritten. Zum 17. Mal innerhalb von vier Tagen, wie mir meine Mutter vorgerechnet hatte. Dabei konnte ich gar nichts dafür. Lisbeth war schuld.“

Seine Kusine Lisbeth ist mit von der Partie. Ihre Mutter ist vor kurzem gestorben, und deshalb muss Konrad auch noch ein schlechtes Gewissen haben, wenn er sich mit ihr streitet. Das Wetter ist immer schlecht und das einzige, was in diesem verpatzen Urlaub sein Interesse erregt, ist der alte Bunker aus dem zweiten Weltkrieg am Strand. Auch Lisbeth versucht, das Geheimnis um den Bunker zu lüften, und gegen ihren Willen werden Cousin und Cousine gemeinsam zu Hobbydetektiven.

’Organisation Todt 1944: Franz Rübenbrück, Josef Sattler, Anton Cziebelsky…’ (…) ‚Seltsam’, sagte ich. Wir hatten unsere Ferienanlage fast erreicht. ‚Eine Liste mit lauter Toten’. ‚Sie müssen nicht alle tot sein’, wandte Lisbeth ein. „Nimm einmal an, damals war einer von ihnen 20. Dann wäre er jetzt 90. Er könnte noch leben.“

Lisbeth und Konrad decken ein Familiengeheimnis auf, das die beiden bis in die Generation ihres Großvaters zurückführt. Die Nazis haben französische Kriegsgefangene zum Bau der Bunkeranlagen gezwungen – diese Geschichte wird hier aus Sicht der Enkelgeneration erzählt. Die preisgekrönte Berliner Jugendbuchautorin Martina Wildner hat einen spannenden Geschichtskrimi geschrieben, in dem zugleich die Langeweile und die schlechte Laune der Protagonisten amüsant geschildert werden. Die schäbige Ferienhaussiedlung, die Windböen am Strand und die struppigen Haare der besserwisserischen Lisbeth – das alles bleibt lange und lebhaft in Erinnerung. Ein kluges, besonderes und vielschichtiges Buch – „Finsterer Sommer“, empfohlen ab 11 Jahren.

MilchmädchenDas dritte Buch „Milchmädchen“ führt uns nach Wales, hier dreht sich alles um Kühe. Ein gutes Thema für ein Jugendbuch? Ja, unbedingt, muss man nach der Lektüre sagen. Und wer hätte gedacht, dass 12 Kühe eine ganze Ortschaft in der nordenglischen Provinz durcheinanderbringen können?

Gemma hat nicht wirklich viel Glück in ihrem Leben. Ihr Vater sitzt im Gefängnis, ihr kleiner Bruder nervt und ihre Mutter ist überfordert. Der unfreiwillige Zusammenstoß von Gemma mit dem Mädchen Kate, genannt Cowgirl, und ihren Kühen ist der Anfang einer großen Veränderung:

„Sie stand hinter mir, als ob eine der Kühe sich in sie verwandelt hätte. Es war Cowgirl. Niemand würde auf die Idee kommen, dass sie noch zur Schule geht, so groß ist sie, viel zu groß für die achte Klasse. (…) Niemand kann sie leiden. „Jag die weg“, brüllte ich. „Das sind Kühe, keine Krokodile“, sagte sie. „Die tun nichts.“

 Das Kühe in der Lage sind, mit ihrer Ruhe und Sanftmut die Menschen zu verzaubern, lernen in dieser Geschichte erst Gemma und ihre Oma, dann ihr Bruder und ihre Mutter und schließlich das ganze Viertel. Das Geschäft mit den Milchkühen lohnt sich nicht mehr, Kates Vater will sie deshalb verkaufen und schlachten lassen. Zur Rettung der Kühe wird ein verrückter Plan geschmiedet.

 „Das war doch alles nicht zu glauben. „Ihr könnt doch in der Bryn-Mawr-Siedlung keine 12 Kühe verstecken!“ „Warum nicht?“, fragte Roger. (…) „Ich glaube, ihr habt allesamt den Verstand verloren“, sagte ich. „Ihr spinnt doch…“ Ich dachte an meine Prügelei mit Sian (gesprochen Schahn), und die Wut überall. Mir ging auf, dass ich lieber den Verstand verlieren wollte, als immer so wütend zu sein. „Alles klar, ich bin dabei!“

 Das Stadtviertel Bryn-Maur ist ein Problembezirk, in dem die Bewohner sich gegenseitig nicht mehr über den Weg trauen. Doch weil sich plötzlich alle gemeinsam um die Kühe kümmern, wächst eine neue Solidarität. „Milchmädchen“, der erste Roman des jungen britischen Autoren G. R. Gemlin ist ein sozial-romantisches Märchen, fast zu schön, um wahr zu sein. Mit klarer Sprache und liebevollem Blick führt uns Gemlin in eine nahezu unbekannte Welt: in die Arbeiterviertel von Wales, zu seinen Menschen und seinen Kühen. „Milchmädchen“ – eine ungewöhnliche Pubertätsgeschichte, nicht nur für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren.

Regine Bruckmann

Sabine Ludwig, Illustrationen Astrid Henn: Warum Kater Konrad ins Wasser sprang und eine Maus in die Luft ging, cbj Verlag, 12,99 € und cbj Audio (Hörbuch, gekürzte Lesung, 2 CDs, 148 Minuten), März 2016, ab 8 Jahren, 12,99 €

Martina Wildner: Finsterer Sommer, Verlag Beltz&Gelberg, Februar 2016, ab 11 Jahren, 12,95 €

G.R. Gemin: Milchmädchen, Verlag Königskinder, März 2016, ab 12 Jahren, 16,99 €

 

 

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