„Das Glück ist nicht immer gerecht“ von Anne-Laure Bondoux


glueck_nicht_geerechtMado und Patty verbringen ungewöhnliche Sommerferien: Die beiden Schwestern sind allein in dem Ferienhaus der Familie an der Ardeche. Eigentlich sollte die 20jährige Patty auf die jüngere Mado aufpassen. Warum kommt es Mado nur die meiste Zeit so vor, als sei es umgekehrt?

Patty ist ungewollt schwanger und würde das am liebsten vor der Welt verstecken. Schwimmen gehen? Fehlanzeige.

„Plötzlich wird die Tür aufgestoßen und Patty erscheint mit Tränen überströmten Gesicht: ‚Ich kann nicht mitkommen. Schau dir an, wie ich im Badeanzug aussehe! Als hätte ich eine Wassermelone verschluckt!’– ‚Wie kannst du nur so was sagen, Pat? Du hast einen runden Bauch, das ist alles. Der Rest hat sich fast gar nicht verändert.’  – ‚Ich hasse mich,’ brüllt Patty und fängt wieder an zu weinen. ‚Ich hätte abtreiben sollen. Das hätte mir wenigstens nicht die Ferien versaut.’“

Patty und Mado sind ganz auf sich allein gestellt. Vor neun Monaten haben sie bei einem Autounfall beide Eltern verloren. Patty, mit 20 Jahren die ältere, hat die Vormundschaft für ihre kleine Schwester übernommen. Aber eigentlich ist die 15jährige Mado die Vernünftige, die Kluge, oft auch Sorgenvolle. Patty dagegen sieht gern fern, hängt in Kneipen herum und lackiert sich alle zwei Tage die Fußnägel in einer anderen Farbe.

„Das Glück ist nicht immer gerecht“, so der Titel des Buches der Französin Anne-Laure Bondoux, das in Frankreich schon an Schulen gelesen wird, bei uns aber erst in diesen Sommer bei dtv erscheint. „La vie comme elle vient“ –­ ‚das Leben, wie es kommt’ – das ist der französische Titel und er passt eigentlich viel besser.  Diese Feriengeschichte hat die Wucht eines herabfallenden Felsbrockens und ist gleichzeitig so frisch und leicht wie ein Zitronensorbet an Sommertagen. Das Leben kommt mit Macht über die beiden Mädchen, und Mado, die Erzählerin, meistert es – irgendwie. Sie schafft es, der Schwester zu helfen, das Baby zur Welt zu bringen, sie schafft es, den Vater des Kindes mit ins Boot zu holen und sie schafft es sogar, sich zu verlieben.

„Während das Fläschchen warm wird, verfluche ich Patty innerlich. Ich verfluche sie dafür, so zu sein, wie sie ist. Und ich verfluche mich dafür, so zu sein, wie ich bin. Ich verfluche das Leben dafür, gleichzeitig so hart und so schön zu sein, den wenn es nur hart wäre, wäre es einfacher.“

Liebenswerte Heldinnen, eine präzise, manchmal poetische Sprache, ein unerwarteter, aber nicht unangemessener Humor: Das Buch „Das Glück ist nicht immer gerecht“ gehört in den Urlaubskoffer für alle ab 14 und wenn man es zu schnell ausgelesen hat, liest man es einfach nochmal. Regine Bruckmann

Anne-Laure Bondoux: Das Glück ist nicht immer gerecht, dtv 2016 (erscheint am 22. Juli), 9,95 €, ab 14 Jahre

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