„Milchmädchen“ von G.R. Gemin


MilchmädchenIn diesem Buch dreht sich alles um Kühe. Ein gutes Thema für ein Jugendbuch? Ja, unbedingt, muss man nach der Lektüre sagen. Und wer hätte gedacht, dass 12 Kühe eine ganze Ortschaft in der nordenglischen Provinz durcheinanderbringen können?

Gemma hat nicht wirklich viel Glück in ihrem Leben. Ihr Vater sitzt im Gefängnis, ihr kleiner Bruder nervt und ihre Mutter ist überfordert. Der unfreiwillige Zusammenstoß von Gemma mit dem Mädchen Kate, genannt Cowgirl, und ihren Kühen ist der Anfang einer großen Veränderung:

„Sie stand hinter mir, als ob eine der Kühe sich in sie verwandelt hätte. Es war Cowgirl. Niemand würde auf die Idee kommen, dass sie noch zur Schule geht, so groß ist sie, viel zu groß für die achte Klasse. (…) Niemand kann sie leiden. „Jag die weg“, brüllte ich. „Das sind Kühe, keine Krokodile“, sagte sie. „Die tun nichts.“

 Das Kühe in der Lage sind, mit ihrer Ruhe und Sanftmut die Menschen zu verzaubern, lernen in dieser Geschichte erst Gemma und ihre Oma, dann ihr Bruder und ihre Mutter und schließlich das ganze Viertel. Das Geschäft mit den Milchkühen lohnt sich nicht mehr, Kates Vater will sie deshalb verkaufen und schlachten lassen. Zur Rettung der Kühe wird ein verrückter Plan geschmiedet.

 „Das war doch alles nicht zu glauben. „Ihr könnt doch in der Bryn-Mawr-Siedlung keine 12 Kühe verstecken!“ „Warum nicht?“, fragte Roger. (…) „Ich glaube, ihr habt allesamt den Verstand verloren“, sagte ich. „Ihr spinnt doch…“ Ich dachte an meine Prügelei mit Sian (gesprochen Schahn), und die Wut überall. Mir ging auf, dass ich lieber den Verstand verlieren wollte, als immer so wütend zu sein. „Alles klar, ich bin dabei!“

 Das Stadtviertel Bryn-Maur ist ein Problembezirk, in dem die Bewohner sich gegenseitig nicht mehr über den Weg trauen. Doch weil sich plötzlich alle gemeinsam um die Kühe kümmern, wächst eine neue Solidarität. „Milchmädchen“, der erste Roman des jungen britischen Autoren G. R. Gemlin ist ein sozial-romantisches Märchen, fast zu schön, um wahr zu sein. Mit klarer Sprache und liebevollem Blick führt uns Gemlin in eine nahezu unbekannte Welt: in die Arbeiterviertel von Wales, zu seinen Menschen und seinen Kühen. „Milchmädchen“ – eine ungewöhnliche Pubertätsgeschichte, nicht nur für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren.

Regine Bruckmann

 

G.R. Gemin: Milchmädchen, Verlag Königskinder, März 2016, ab 12 Jahren, 16,99 €

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