Hörbuchtipps zu Weihnachten


feder-_greif_horbuchZwei großartige und unseren Ohren wohl bekannte Sprecher klingen durch Wohn- und Kinderzimmer: Rainer Strecker bringt mal wieder Fabelwesen und Menschen auf hundert verschiedenen Arten im neuen Cornelia-Funke-Buch zum Sprechen („Die Feder eines Greifs“, Jürgen Thormann knarzt sich englisch altmodisch durch die wunderschöne Geschichte von Judith Kerr („EinSeehund für Herrn Albert“). Hinhören!

„Diese Geschichte ist für all die, die den Mut haben zu beschützen, statt zu beherrschen, zu behüten, statt zu plündern und zu erhalten, statt zu zerstören.“

Diese Botschaft formuliert Cornelia Funke am Anfang der Hörfassung ihres neuen Buches höchst persönlich. Nach 19 Jahren hat sie eine Fortsetzung ihres erfolgreichen Kinderbuches „Drachenreiter“ geschrieben: „Die Feder eines Greifs“ – aber die Welt hat sich seit Erscheinen des ersten Buches verändert. Man spürt die Sorge der Autorin um die Natur und die bedrohte Artenvielfalt. In ihrer Geschichte bietet ein Forscherpaar allen fantastischen Wesen einen Lebens-und Schutzraum. Im sogenannten „Minameidre“, einem riesigen Naturschutzgelände in Norwegen, leben Trolle und Wichtel, Steinzwerge und Nebelraben. Der preisgekrönte Sprecher Rainer Strecker gibt ihnen eine Stimme:

„’Lung! Oh, sie gehören alle gegrillt, ich weiß, Drachenfeuer sollte man sorgsam einsetzen, aber es wäre für einen guten Zweck!’ Die Stimme, die trotz der frühen Stunde so schrill in die Höhle drang, kannte Ben fast ebenso gut wie Lung. Schwefelfell! – (…) ‚Pilzlinge! Senfwichtel! Odinszwerge! Igelmänner! All diese Winzlinge treiben jeden Kobold in den Wahnsinn.’“

Schwefelfell ist ein weiblicher, schottischer Bergkobold. Bald wartet eine neue Aufgabe auf sie, den Jungen Ben, den Drachen Lung und den Hommunkulus Fliegenbein. Drei Pegasus-Fohlen werden aus ihren Eiern wahrscheinlich nicht schlüpfen können. Damit ist ihre Art bedroht, es sind die letzten Pegasus-Eier auf der Welt. Auf der Suche nach einem Ausweg wird eine Videokonferenz mit Unterstützern einberufen:

„’Wurde schon der Vorschlag geäußert, die Pegasuseier durch die Sonnenfeder eines Greifs zu retten? Schließlich enthalten ihre Kiele eine Substanz, die sogar Metall und Stein zum Wachsen bringt.’ Die Stille, die Buceros Worten folgte, war so vollkommen, dass Ben einen überraschten Blick mit Fliegenbein wechselte.“

Die Umweltorganisation heißt hier FREEFAB, unter ihren Mitgliedern sind reale Vorbilder wie der britische Naturfilmer David Attenborough oder die Schimpansenfreundin Jane Goodall leicht erkennbar. In diesem Referenzraum entfaltet Cornelia Funke ein ganzes Universum aus fantastischen Wesen. Von Norwegen geht die Reise über die Türkei und Indien in den Dschungel einer indonesischen Insel, wo sich die letzten Greife verborgen halten. Es ist ein sehr ausuferndes, manchmal langatmiges, am Ende sehr spannendes Buch. Am versessenen Detailreichtum können sich die Fans freuen, die genau das lieben: einzutauchen in die flüsternde, schillernde, atmende Welt der Cornelia Funke. Rainer Strecker ist der perfekte Sprecher dafür. Er wird anscheinend nicht müde, über 10 CDs mit 600 Minuten hinweg all den Wesen aus Funkes Fantasie Stimme und Seele zu geben. Bei aller Spannung: Nie hat man die echte Sorge, das Böse könnte am Ende doch siegen.

seehund_albert_horbuchSeitdem Herr Albert seinen Kiosk aufgegeben hat, sitzt er zuhause und langweilt sich schrecklich. Das ändert sich, als er der Einladung seines Vetters ans Meer folgt.  Auf einer Bootstour begegnet er einem kleinen Wesen, dass sein Leben ändern wird.

„Auf diesem Felsen lag etwas Weißes – ein kleiner Seehund, der sich genüsslich in der Sonne aalte. Als er das Platschen der Ruder hörte, hob er den Kopf und guckte mit seinen großen, dunklen Augen zu ihnen herüber. ‚Er kennt mich, weil ich ganz oft herkomme,’ erklärte Tommy. (…) Und Herr Albert dachte, dass er noch nie zuvor in seinem Leben etwas so Liebenswertes gesehen hatte.“

Als der kleine Seehund seine Mutter verliert und zu verhungern droht, beschließt Herr Albert ihn mit zu sich nach Hause zu nehmen. Aber wie transportiert, wie füttert und pflegt man einen Seehund? Eine abenteuerliche Geschichte beginnt, in deren Verlauf Herr Albert seine Nachbarin Fräulein Millicent etwas besser kennen- und später sogar lieben lernt. Gemeinsam bieten sie dem Pförtner die Stirn, der nichts von dem Seehund auf dem Balkon wissen darf:

„Ach, betätigen Sie sich jetzt als Gärtnerin, Fräulein Millicent?’, fragte der Pförtner. ‚Das ist ja auch viel besser, als Haustiere zu halten. Pflanzen rennen nicht durch die Gegend und machen auch keinen Krach. (…) Hauptsache, mir kommt nichts ins Haus, was kreucht und fleucht.“

Fast vier Jahrzehnte hat sich die 93 Jahre alte Judith Kerr Zeit gelassen, um ein neues Kinderbuch vorzulegen. Berühmt wurde sie mit ihrem Buch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“. Mit dem „Seehund für Herrn Albert“ greift sie eine Figur aus ihrer Kindheit auf: Ein kleiner ausgestopfter Seehund lag im Arbeitszimmer ihres Vaters, dem Theaterkritiker Alfred Kerr. Kerr hatte wie die Figur im Buch versucht, ihn zu retten, leider vergebens. Was, wenn der Seehund damals überlebt hätte, hat sie sich gefragt.

Ein schmales Buch mit schönen schwarzweiß-Zeichnungen und einer altmodischen Erzähldramaturgie ist entstanden: „Am nächsten Tag“ heißt es oft. Eine kleinbürgerliche, längst vergangene Welt wird beschworen, in die man aber gerne eintaucht. In der Hörfassung näselt sich Jürgen Thormann gediegen durch die verschiedenen Rollen, die Bardomaniacs untermalen mit Akkordeonklängen. „Ein Seehund für Herrn Albert“ ist eine zu Herzen gehende, sehr anschaulich erzählte Geschichte für Kinder ab 6 mit dem unbedingten Willen zum Happy End.

„Und so lebten sie froh und glücklich bis in alle Ewigkeit.“

Regine Bruckmann

Cornelia Funke, Die Feder eines Greifs, tonpool Medien GmbH, Sprecher Rainer Strecker und die Autorin, ungekürzte Lesung mit Musik, 555 Minuten, 10, CDs, € 24,99, ab 10 Jahren

Judith Kerr, Ein Seehund für Herrn Albert, Argon Hörbuch Verlag August 2016, Sprecher Jürgen Thormann, Laufzeit 1 Stunde 16 Minuten, € 12,95, ab 6 Jahren

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